Warum die besten Teams nicht die klügsten Köpfe haben

Google wollte wissen, was Teams erfolgreich macht. Das Projekt Aristotle untersuchte über 180 Teams. Das Ergebnis überraschte selbst die Forscher: Der wichtigste Faktor war nicht Kompetenz, nicht Erfahrung, nicht die Zusammensetzung des Teams.

Es war psychologische Sicherheit.

Was bedeutet das konkret?

Amy Edmondson von der Harvard Business School prägte den Begriff. Sie definiert ihn so: Die geteilte Überzeugung, dass das Team ein sicherer Ort ist, um zwischenmenschliche Risiken einzugehen.

Zwischenmenschliche Risiken – das klingt abstrakt. In der Praxis bedeutet es:

  • Einen Fehler eingestehen, ohne Angst vor Blossstellung

  • Eine unausgereifte Idee äussern, ohne ausgelacht zu werden

  • Eine kritische Frage stellen, ohne als schwierig zu gelten

  • Sagen "Ich verstehe das nicht", ohne als inkompetent wahrgenommen zu werden

Was psychologische Sicherheit nicht ist

Ein häufiges Missverständnis: Psychologische Sicherheit bedeutet nicht, dass alle immer nett zueinander sind. Es geht nicht um Harmonie um jeden Preis. Es geht um produktive Offenheit.

Teams mit hoher psychologischer Sicherheit streiten sich. Sie sind kritisch. Sie fordern sich gegenseitig heraus. Aber sie tun das auf eine Art, die niemanden zum Schweigen bringt.

Der Business Case

Die Forschung ist eindeutig:

  • Teams mit psychologischer Sicherheit innovieren schneller

  • Sie treffen bessere Entscheidungen

  • Sie haben geringere Fluktuation

  • Sie lernen aus Fehlern, statt sie zu verstecken

Die McKinsey Global Survey von 2020 zeigt: Nur 43% der Befragten erleben ein positives Teamklima. Das bedeutet: Mehr als die Hälfte aller Teams schöpft ihr Potenzial nicht aus.

Der erste Schritt

Psychologische Sicherheit entsteht nicht durch ein Workshop. Sie entsteht durch tägliches Verhalten. Der erste Schritt ist die Erkenntnis: Das ist kein Wohlfühl-Thema. Das ist ein Leistungsthema.

Wenn in deinem Team gute Ideen nicht geäussert werden, weil sich niemand traut – dann kostet dies Geld. Jeden Tag.

Quellen:

  • Edmondson, A. C. (2018). The Fearless Organization. Harvard Business School

  • Google re:Work – Project Aristotle

  • McKinsey Global Survey (2020): Psychological Safety and Leadership Development

Comment