Viele Unternehmen sind derzeit auf dem Weg ihre Organisation auf Agilität zu trimmen. Das Problem ist: Es gibt keine klare Definition was Business Agilität bedeutet, noch ein Instrument welches den Fortschritt Ihrer Reise aufzeigt. Das einzige was wir wissen, es gibt nicht die eine Lösung! - Was ist die Alternative, was wäre wenn du dein eigenes Maturitätsmodel aufbauen könntest und somit den Austausch übers Thema fördern könntest?

Derzeit gibt es eine große Diskussion in der agilen Gemeinschaft über die Definition der Business-Agilität. Ich behaupte weder, dass meine Definition vollständig noch perfekt ist. Aber gehen wir mal für einen Moment davon aus, dass dies unsere Definition ist wo wir uns alle einig sind.

Business Agilität ist etwas ganz individuelles für jedes Unternehmen und so für jede Organisation. Organisationen, welche ganzheitlich agilen Prinzipien folgen sind in der Lage auf das Unerwartete viel schneller zu reagieren, die richtigen Kundenbedürfnisse früher zu erkennen, kontinuierlich zu lernen und sich zu verbessern, sowie schätzen sie die Kunden, Mitarbeiter und Partner gleichermassen.
— Mirko Kleiner, Mitbegründer flowdays

Agil hier, agil dort, agil überall!

Echte Business Agilität braucht ein Wandel über die gesamte Organisation hinweg. Die 5 Blasen symbolisieren mehrere Perspektiven der Agilität aus organisatorischer Sicht:

Quelle: flowdays, adaptiert durch Mirko Kleiner

  • Persönliche Agiltät: der Paradigmenwechsel "Agil sein" benötigt ein Wandel jedes Einzelnen hin zu agilen Werten und Prinzipien ist eine Veränderung, die immer zuerst bei uns selbst beginnt und jeden Tag unsere vollste Aufmerksamkeit benötigt z. B. wie wir uns verhalten, führen, usw
  • Team Agilität: Indem wir persönlich agil sind, können wir mit unserem Beispiel vorangehen, entsprechend führen, entscheiden, etc und das Verhalten unserer Teammitglieder somit positiv beeinflussen. Das Team ist das wichtigste Element in einer agilen Organisation und der Ort, an dem Wert für den Kunden entsteht.
  • Unternehmens Agilität: Agile Teams führen zu weiteren agilen Teams und andere Aspekte einer Organisation wandeln sich über die Zeit wie z.B. Innovationen, weniger Hierarchien, Management, Portfolio Management, Budgetierung, HR, etc
  • Partner Ecosystem Agilität: Das volle Potenzial der Business Agilität kann nur erreicht werden, wenn nicht nur die Organisation agil ist, sondern die ganze Wertschöpfungskette mit allen Partnern und deren Partner.

Wir glauben, dass jede dieser Perspektiven der Agilität Wert bringt und als Multiplikator in Richtung Business Agility fungiert.

Aber lohnt es sich, ein Maturitätsmodell dafür zu erstellen und wie würde es aussehen?

Ein Modell für alle?

Ein Maturitätsmodell hat in der Regel vordefinierte Ebenen und Akzeptanzkriterien, um jede der Ebenen zu erreichen. Es ist in der Regel von einer externen Behörde oder einer Gemeinschaft von angesehenen Spezialisten definiert. Leider ist oft zu beobachten, dass das Hauptziel eines Maturitätsmodells ist Geld mit Assessments, Zertifizierungen usw. zu verdienen. Ich glaube fest daran, dass ein Maturitätsmodell ganz alleine der Organisation gehören sollte und als Werkzeug für deren weitere Entwicklung und Verbesserung verwendet werden sollte. Wenn wir akzeptieren, dass Business Agilität etwas sehr individuelles ist müssen wir auch die Idee von einem Modell für alle überdenken.

Infolgedessen ist das "Maturitätsmodell für Business Agilität", dass wir geschaffen haben, eher ein Template wie z.B. das Template für "User Stories". Wir nahmen die Hauptaspekte eines Maturitätsmodells und machten sie abstrakt. So dass jede Organisation sie nach ihren Bedürfnissen und ihrem Kontext nutzen und anpassen kann. Abhängig von Ihren Bedürfnissen können Sie somit eher grob oder mehr ins Details gehen.

Das Maturitätsmodel für Business Agilität von Mirko Kleiner ist unter einer Creative Commons Attribution-ShareAlike 4.0 International Lizenz lizenziert. Maturitätsmodel für Business Agilität, Version 1.0

  • Kontext: In welchem Unternehmen brauchen wir, wie viel Business Agilität und wie schnell, was sind unsere organisatorischen Grenzen, etc
  • Vision: Was ist die Vision, die den Zweck unserer Reise widerspiegelt, in anderen Worten: WARUM  wollen wir ein agileres Unternehmen werden
  • Dimensionen: In welchen Dimensionen wollen wir besser werden (siehe einige Beispiele unten)
  • Ebenen: Welche Ebenen oder Schritte der Entwicklung kennen wir in unserem Kontext
  • Akzeptanzkriterien: Was sind die Akzeptanzkriterien, so dass wir wissen ob wir eine Entwicklung gemacht haben
  • Status: Was ist unser aktueller Status auf dieser Reise
  • Ziel: Was ist das Ziel der Entwicklung für die nächste Iteration
  • Maßnahmen: Was sind Maßnahmen oder Kaizen pro Dimension, mit denen wir glauben, dass wir das Ziel erreichen werden

Dimensionen in agil

Wenn wir über Agilität reden denken die Leute oft an Scrum oder andere Frameworks, die uns vor allem in der "Prozess" -Dimension hin zu mehr Agilität unterstützen. Das ist auch gut so, als dass sich die Prozesse leicht anpassen lassen und somit ein guter Ausgangspunkt sein können. Aber nach unserer Meinung hat Agilität viel mehr Dimensionen.

Quelle: flowdays, angepasst von Philipp Engstler

  • Kultur: Der Kern der 'Agiltät' ist der Paradigmenwechsel, denn sonst 'spielen' wir nur Agilität. Der Kulturwechsel ist hart, denn Kultur ist nur der Schatten der Summe aller Verhalten der Menschen innerhalb einer Organisation und kann nur schwer geändert werden. Doch beginnen wir über unsere Werte, gute und schlechte Verhaltensweisen zu sprechen können wir die Kultur im Laufe der Zeit zum positiven verändern. Auf jeden Fall beginnt der Wandels bei jeder Person selbst.
  • Organisation: Die Menschen und ihre Verhaltensweisen erfordern klare Grenzen, Strukturen und Rollen, sonst enden wir in Anarchie. Diese werden sich auch wandeln und ganz anders aussehen: Schlanker, bestehend aus bevollmächtigten Teams und kompatibel mit der agilen Kultur und deren Werten. Oft passiert es, dass die Linienorganisation im Laufe der Zeit weniger wichtig wird.
  • Prozesse: Die Optimierung des Ganzen entlang des Wertstroms ist das übergeordnete Ziel. Nur noch das "Richtige" tun, möglichst effizient und in kurzen Feedbackzyklen. Allerdings müssen die Prozesse schlank, anpassungsfähig und vor allem kundenorientiert sein. Hierfür richten wir Rituale, Artefakte, etc. ein, um die Zusammenarbeit, Feedback-Loops und Transparenz in der gesamten Organisation zu fördern
  • Exzellenz: Ein wichtiger Erfolgsfaktor sind die Menschen mit ihren persönlichen Fähigkeiten (sozial & fachlich) und die Fähigkeit, hyper produktive agile Teams zu bilden. Deshalb optimieren die Teams ihre Exzellenz mit Fokus auf das Ganze und suchen eine kontinuierliche Verbesserung in einer fehlertoleranten Umgebung.

Unsere Erfahrung nach sind Transformationen, die einem Inside-out-Ansatz folgen, viel nachhaltiger  als der outside-in-Ansatz. Nachteil ist, dass der inside-out-Ansatz viel mehr ein langfristiger Ansatz ist und daher mehr Zeit benötigt. Wir empfehlen jedoch, immer alle Dimensionen während einer agilen Umwandlung im Auge zu behalten.

Anwendungsfälle

Wir glauben, dass ein flexibles Maturitätsmodell in Bereichen wie z.B. Persönliche Entwicklung, Teamentwicklung, Entwicklung von Geschäftsbereichen oder eines ganezn Wertstroms, zur Unternehmensentwicklung, Partnerentwicklung, Kundenentwicklung, etc eingesetz werden kann.

Untenstehend ein kombiniertes Beispiel mehrerer Bereiche. Wobei die weissen Karten die individuelle Beschreibung darstellen.

Schritt-by-step Guide

Wenn Sie es ausprobieren möchten, folgen Sie einfach diesen 9 Schritten:

  1. Kontext definieren

  2. Teilnehmer zum Workshop einladen
  3. Vision definieren
  4. Dimensionen definieren
  5. Definieren Sie Ebenen & Akzeptanzkriterien
  6. Aktuellen Status überprüfen
  7. Definieren Sie die Durchlaufzeit für eine Iteration
  8. Definiere ein Ziel inkl. KAIZEN/Massnhme pro Dimension
  9. Review & Update für die nächste Iteration

Feedback

Ich bin eigentlich kein ein großer Fan von Maturitätsmodellen. Dennoch glaube ich, dass ein einfaches, flexibles Werkzeug, das die Zusammenarbeit bzw. den Austausch fördert zu einer verbesserten Lernkultur in Organisationen führen kann. Was denkt Ihr darüber?-Gespannt erwarte ich Euer Feedback, Verbesserungsvorschläge, Erfahrungen aus der Praxis, etc!

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